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Grenzenlos begleiten - gemeinsam Würde schützen

Wie viel Nähe tut gut? Wo beginnt eine Grenzüberschreitung? Und wie gelingt es, Menschen in besonders sensiblen Lebenssituationen respektvoll und auf Augenhöhe zu begleiten? Mit diesen Fragen setzte sich die diesjährige Hospizfachtagung der Caritas Hospizbewegung am Samstagn, 3. Oktober, in der Cusanus Akademie auseinander. Unter dem Motto „Grenzenlos begleiten – gemeinsam Würde schützen“ rückte sie ein Thema in den Mittelpunkt, das für die Hospizarbeit von grundlegender Bedeutung ist.

Grenzen sind ein natürlicher Teil unseres Lebens. Oft werden sie erst dann sichtbar, wenn sie berührt oder überschritten werden. Gerade deshalb braucht es Sensibilität für die eigenen Grenzen ebenso wie für jene anderer Menschen. Denn echte Nähe entsteht nicht durch Grenzenlosigkeit, sondern dort, wo persönliche Freiräume respektiert und geschützt werden.

„Besonders wichtig ist diese Haltung in der Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen. Sie befinden sich häufig in einer Phase großer Verletzlichkeit, in der Vertrauen, Respekt und Achtsamkeit eine zentrale Rolle spielen“, sagt Renate Rottensteiner, die Leiterin der Caritas Hospizbewegung. Die Hospizfachtagung machte deutlich: Prävention beginnt nicht erst bei gravierenden Vorfällen, sondern im alltäglichen Miteinander. Grenzüberschreitungen entstehen oft schleichend. Umso wichtiger sind Aufmerksamkeit, ein sensibles Wahrnehmen und der Mut hinzusehen.

Damit knüpfte die Veranstaltung zugleich an das diözesane Präventionsprojekt „Mut zum Hinsehen“an. Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass Präventionsarbeit weit mehr ist als die Einhaltung von Regeln. Sie muss zu einer Haltung werden, die von Respekt, Verantwortung und wertschätzender Begegnung geprägt ist.

Das Herzstück der Hospizbewegung sind die Beziehungen zwischen Menschen. Damit diese von Vertrauen getragen werden können, braucht es sichere Räume für alle Beteiligten. Ein bewusster Umgang mit Grenzen schützt nicht nur schwerkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen, sondern auch die Begleitenden selbst. So bleiben Nähe und Fürsorge möglich, ohne zu vereinnahmen oder zu überfordern.

Auch die Caritas setzt hier klare Akzente. Die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe „Mut zum Hinsehen“beschäftigt sich mit Fragen der Prävention, des verantwortungsvollen Umgangs mit Macht, der Wahrung persönlicher Grenzen sowie einer offenen Fehlerkultur. Qualität zeigt sich dabei nicht allein in fachlichen Standards, sondern vor allem darin, wie sicher sich Menschen in der Caritas fühlen und wie Verantwortung gelebt wird.

Ein besonderer Höhepunkt der Tagung war die Ehrung der langjährigen Freiwilligen. Die Caritas Hospizbewegung lebt von ihrem großartigen Engagement, ihrer Zeit und ihrer Bereitschaft, Menschen auf ihrem letzten Lebensweg beizustehen. Ihnen galt an diesem Nachmittag ein herzlicher Dank. Mit ihrem Einsatz tragen sie entscheidend dazu bei, dass Würde, Menschlichkeit und Mitgefühl nicht nur Worte bleiben, sondern Tag für Tag erfahrbar werden.


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